Zusammenarbeit von Serviceerbringern in der Windkraftbranche

Dieses Forschungsprojekt befasst sich mit der Zusammenarbeit von an der Verfügbarkeit von Windkraftanlagen beteiligten Akteuren. Die Konzeption, Durchführung und Analyse erfolgt im Rahmen eines Promotionsprojektes.

Im Jahr 2014 verzeichnete die Windenergiebranche mit 4.386 MW (netto) einen Rekordzubau neuer Anlagen. Angesichts der vierten Novellierung des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes (EEG 2014) ist jedoch absehbar, dass der Zubau aufgrund der Deckelung des Gesamtausbaus und des Abbaus fixer Vergütungen nicht in gleichem Tempo vorangehen wird wie in den letzten Jahren. Diese Entwicklungen führen dazu, dass einerseits der Fokus von der Konzeption, der Entwicklung und des Baus von WEA auf die Erhaltung der Funktion während der Betriebsphase gerichtet wird – somit werden aus der Sicht von Herstellern (OEM) Dienstleistungen, die zur Erhöhung der Verfügbarkeit beitragen, immer wichtiger. Trotz des weniger schnellen Zubaus führt die hohe Anzahl vorhandener WEA, die einem natürlichen Alterungs- und Verschleißprozess unterliegen, zu einem Dienstleistungsmarkt mit stetigen, gut kalkulierbaren bzw. sogar steigenden Ertragspotenzialen. Aufgrund dieser Bedingungen und der damit verbundenen Aussicht auf gute Renditen bieten nicht nur OEM sondern auch unabhängige Serviceprovider (Independent Service Provider, ISP) ihre Instandhaltungsdienstleistungen an. Neben diesen spielen vor allem die Betreiber bzw. die durch diese beauftragten Betriebsführer eine gewichtige Rolle in Bezug auf das technische Management von Windparks und somit auch auf die Sicherung des Betriebes.

Die Forschungsarbeit soll auf Grundlage einer Multiple Case Study sowohl Hindernisse als auch positive Verstärker für die interorganisationale Zusammenarbeit ermitteln. Als Ausgangspunkt dienen folgende Forschungsfragen:

  • Was für Informationsflüsse bestehen unter den Akteuren sowie zwischen einem Akteur und der WEA?
  • Was für Informationstechnologien kommen zur Anwendung?

files/poeppelbuss/Dokumente/Hannes Wind.jpgIm Vordergrund stehen die Technischen Betriebsführer_innen als „Netzwerkkopf eines Gesamtnetzwerkes“ mit ihren diversen Verbindungen zu u. a. dem Instandhaltungsdienstleister, Gutachter_innen, Banken, Versicherungen und Behörden. Viele Daten mit konkretem Bezug zu den WEA (Laufleistungen, Lebenslaufakten, Energieerträge etc.) werden hier geführt und ausgewertet. Allerdings wird die Verwaltung und Koordination höchst unterschiedlich gehandhabt. Es existieren wenige Standards, so dass auch die Datengenerierung und -auswertung individuell erfolgt und somit auch nicht immer direkt in die Planung der operativen und strategischen Instandhaltungsmaßnahmen einfließt. Hinzu kommt, dass viele Daten und Informationen redundant erzeugt und gehalten werden und es demnach zu Blindleistung kommt.

Anhand semistrukturierter Interviews mit Expert_innen aus der Windenergiebranche wird ein tiefer Einblick in die tatsächlichen Informationsbedarfe vermittelt und den zur Verfügung stehenden Informationen gegenübergestellt. Aus einer wissenschaftlichen Perspektive heraus wird das Ergebnis daher zu einem besseren Verständnis von interorganisationalen Kooperationen unter der Einbeziehung moderner Steuer- und Überwachungsinstrumente (SCADA und CMS) führen. Der praktische Nutzen leitet sich aus einer Sichtbarmachung der individuellen Ziele je Akteur und der darauf aufbauenden Überlegung, wie unterschiedliche Ziele in Einklang gebracht werden können, ab. Einbezogen werden auch die Möglichkeiten und Auswirkungen der aktuellen Standardisierungsbestrebungen – genauer gesagt RDS-PP, ZEUS und GSP – der noch jungen Branche. 

 

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