Value Co-Creation in der Automobilentwicklung

Automobilhersteller erbringen einen steigenden Umfang von Entwicklungsaufgaben nicht mehr selbst, sondern lagern diese an Entwicklungsdienstleiter aus. Waren Entwicklungsdienstleister von 20 Jahren lediglich ein vergleichsweise einfaches Mittel zur Überbrückung von Auslastungsspitzen der Fahrzeug­entwicklungs­­abteilungen der Hersteller, so sind sie heute in Zeiten einer stetig wachsenden Zahl von Modellvarianten bzw. Derivaten und immer kürzeren Produktlebenszyklen nicht mehr aus den Entwicklungsprozessen wegzudenken. Eine zunehmend tiefere Integration von Leistungsanbietern in die Wertschöpfungsprozesse ihrer Kunden lässt sich auch in anderen technologieintensiven Branchen wie z.B. der Luftfahrtindustrie beobachten. Hierdurch bedingt, sehen sich Anbieter wissensintensiver Dienstleistungen (Knowledge Intensive Business Services - KIBS)  in vielen Branchen mit einer steigenden Heterogenität der Kundenanforderungen und einer zunehmenden Komplexität ihres Leistungsportfolios konfrontiert. Vor diesem Hintergrund gewinnen Methoden und Hilfsmittels zur wertorientierten und systematischen Management des Leistungsportfolios zunehmend an Bedeutung. Jedoch lassen sich in anderen Dienstleistungsbereichen bewährte Methoden zur Steuerung und Weiterentwicklung des Dienstleistungsportfolios nicht unmittelbar auf wissensintensive Dienstleistungen anwenden. Die Gründe hierfür liegen zum einen in der Problematik, dass sich KIBS aufgrund der in der Regel projekt- und Kundenspezifischen Anforderungen nur schwer beschreiben lassen und zum anderen in einem für die Anbieter häufig intransparenten Wert der erbrachten Leistungen. Aus dieser Problemstellung leiten sich zwei erste Forschungsfragen ab:

1) Wie lässt sich die Dienstleistungsarchitektur von KIBS beschreiben und dokumentieren?

2) Wie lässt sich die Wertmessung wissensintensiver Dienstleistungen systematisieren?

Eine mögliche Methode zur Strukturierung komplexer wissensintensiver Dienstleistungen, deren Anwendung bislang vornehmlich im Bereich der Systemtheorie, Produktion und Organisationstheorie diskutiert wird, stellt das Prinzip der Modularität dar. Im Anwendungsfeld der KIBS ist die Modularisierung jedoch weitgehend unerforscht und in der Praxis nur wenig verbreitet. Das Forschungsprojekt zielt darauf ab die Anwendung von Theorien und Methoden der Modularisierung in derselben oder in einer abgewandelten Form auch für KIBS nutzbar zu machen und somit dem übergreifenden Forschungsziel Rechnung zu tragen eine systematische Herangehensweise für ein systematisches Service Portfoliomanagement im Bereich wissensintensiver Dienstleistungen zu schaffen.

Aus einer theoretischen Perspektive bezieht das Projekt weitere Motivation aus der vornehmlich im Service-Marketing geführten Diskussion über den Wert von Leistungen und die Rollen von Anbietern und Kunden im Rahmen von gemeinsamen Problemlösungsprozessen. Bislang mangelt es der Wissenschaft an einem detaillierten Verständnis über die Bedeutung der Rollen von Anbietern und Kunden innerhalb von Wertschöpfungsprozessen, die bei KIBS  in der Regel von einer sehr engen Zusammenarbeit zwischen Leistungsanbietern und Kunden gekennzeichnet sind. Aus wissenschaftlicher Sicht ist dabei insbesondere folgende Fragestellung relevant:

3) Welchen Einfluss haben Verhaltensmuster von Anbietern und Kunden auf den Leistungswert und die kooperative Wertschöpfung (co-creation)?

Langfristig gilt es hier zu untersuchen wie sich Verhaltensmuster gezielt nutzen lassen um den Wert wissensintensiver Leistungen zu steigern. Weiterhin lassen sich in der Automobilindustrie Veränderungen in den Verhaltensmustern zwischen Anbietern und Kunden beobachten, die auf stärkere Verwerfungen in der Branche schließen lassen.  

Unsere aktuelle Studie zu "Rollenverschiebungen in der Automobilentwicklung" ist hier zum Download verfügbar. 

 

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